Freitag, 29. Juni 2012

Der Grimm der Schwestern

Snow White and the Huntsman
USA 2012
Regie: Rupert Sanders
Darsteller: Charlize Theron, Kristen Stewart, Chris Hemsworth, Bob Hoskins

In schöner Regelmäßigkeit haben in der Filmwelt zwei oder mehrere Kreative fast zur selben Zeit fast dieselbe Idee. So kommt es dann, dass zwei oder mehr Filme zum gleichen Thema miteinander konkurrieren müssen (z.B. 1492 - Conquest of Paradise und Christopher Columbus, Red Planet und Mission to Mars, Dante´s Peak und Vulcano, Tombstone und Wyatt Earp, The Illusionist und The PrestigeArmageddon und Deep Impact - während der Produktionsphase von letzteren hatte auch Roland Emmerich zufällig die Idee von Astronauten, die einen Meteoriten zerstören müssen...)

Dieses Jahr ist Schneewittchen-Zeit: Neben Snow White startete auch Tarsem Singhs Spieglein, Spieglein mit Julia Roberts als nur noch zweitklassige Pretty Woman, mal abgesehen vom Low-Budget-Trittbrettfahrer Grimm´s Snow White. Über die Auslöser solcher Ideen-Kumulationen könnte man wohl eine eigene filmwissenschaftliche Abhandlung schreiben. Das originale Märchen wurde bisher schon vielfach interpretiert, von süßer Zwergenromantik à la Disney über Comedian-Vehikel wie 7 Zwerge. Der ernsthaft-düstere Ansatz von Snow White and the Huntsman mit Anleihen bei Vampir- und anderen Mythen ist mal etwas erfrischend anderes. Die Grundthematik des Märchens - wahre Schönheit, Jugendwahn, Vergänglichkeit - ist in Zeiten von Botox, Facelifting und Stammzellentherapie wohl auch aktueller denn je.

Snow White ist das Spielfilm-Debüt des Werbefilmers Rupert Sanders. (Im Vergleich zur deutschen Filmlandschaft ist es schon erstaunlich, welche Chancen jungen Regisseuren in Hollywood geboten werden.) Der Film bietet auf jeden Fall kurzweilige Unterhaltung und solide Schauwerte. Vor allem die Kreaturen des dunklen Waldes sind sehr einfallsreich und handwerklich überzeugend umgesetzt. Hier fühlt man sich zum Teil an Herr der Ringe und Avatar erinnert. Auch die typischen Märchenklischees werden geschickt umschifft. Die sonst so knuffigen Zwerge sind hier beispielsweise rauhe und fluchende Kerle. Schön auch, Bob Hoskins mal wieder zu sehen, hier in der Rolle des Oberzwergs.

Heimliche Hauptdarstellerin ist die Oscar-Preisträgerin Charlize Theron als Königin Ravenna, die hier auch ohne entstellendes Make-up als Monster überzeugt. Kristen Stewart variiert mehr oder weniger nur einen Gesichtsausdruck, und macht als Charakter leider auch keine größere Entwicklung durch. Sie ist bereits am Anfang tough und kann allein aus ihrem Verließ entkommen, und am Ende ist sie noch tougher und führt in Jeanne-d´Arc-Manier den Angriff auf das Schloss der bösen Königin an. Dass moderne Märchenverfilmungen die weiblichen Charaktere aktiver und offensiver anlegen, ist an sich gut und notwendig, aber mittlerweile nimmt es auch seltsame Züge an, wenn die männlichen im Gegenzug zu Schwächlingen degradiert werden.

Chris Hemsworth´s "Huntsman" verdient kaum die Bezeichnung männlicher Protagonist. Ein trinkender, nicht sonderlich heller Trauerkloß, den Schneewittchen öfter retten muss als umgedreht. Am Ende bewundert er ihre Rüstung und reitet ein paar Meter hinter ihr her. Kein Wunder, dass Johnnie Depp, Viggo Mortensen und Hugh Jackman die Rolle ablehnten. Und auch die restlichen männlichen Figuren sind eher schwache, teilweise hinterlistige Pappenheimer, mal abgesehen von den buchstäblichen Zwergen. In anderen Märchenfilmen herrscht ein ähnlicher Trend. In Disneys Verwünscht beispielsweise muss die Prinzessin im Finale ihr hilflos zappelndes männliches Love Interest aus den Klauen der bösen Königin befreien. Was irgendwann mal als erfrischende Umkehrung bestehender Klischees begann, wird offenbar zum neuen Standard. Über die pädagogische Wirkung kann man sicherlich besorgt sein.

Etwas befremdlich mutet auch an, dass im Film die Protoganisten analog zum unübersetzten Filmtitel mit "Snow White" und "Huntsman" angesprochen werden, anstelle dem wohl etwas uncoolen Schneewittchen und Jäger - uncool in ersterem Falle wahrscheinlich vor allem durch den verniedlichenden Diminutiv. Etwas peinlich ist diese Entscheidung des deutschen Verleihers/Synchronstudios aber vor allem, wenn man an die Verdienste von Jakob und Wilhelm Grimm um die deutsche Sprache denkt.

Abgesehen von diesen beiden Kritikpunkten, die dem breiten Publikum sicher nicht negativ auffallen werden, bietet der Film spannende und handwerklich gut umgesetzte Unterhaltung sowie eine schön böse Charlize Theron, und ist insofern durchaus sehenswert.

Montag, 18. Juni 2012

Agent Provocateur - Wieviel Fleming ist in SKYFALL?

Der nachfolgende Text ist größtenteils Spekulation anhand dessen, was bisher an Bild- und Filmmaterial sowie Interviews zum neuen James-Bond-Film veröffentlicht wurde, könnte dadurch aber auch massive Spoiler zur Filmhandlung enthalten. Wer sich diverse Überraschungen im Kino erhalten möchte, sollte es sich deshalb überlegen, weiterzulesen. (Und da ich selbst trotz aller guten Vorsätze immer alle Spoiler lese, meine ich das wirklich ernst ;)



Vor allem seit der Verhör-Szene im Trailer gibt es in Foren die Vermutung, dass in SKYFALL bestimmte Handlungselemente aus den Fleming-Romanen You Only Live Twice (in deutsch "Du lebst nur zweimal") und The Man With The Golden Gun ("James Bond 007 und der goldene Colt" bzw. "Der Mann mit dem goldenen Colt") Verwendung finden. Daniel Craig und Regisseur Sam Mendes haben selbst in verschiedenen Interviews gesagt, dass sie die unfreiwillige Verzögerung durch die MGM-Krise dazu genutzt hätten, alle Flemingbücher erneut zu lesen und sich davon inspirieren zu lassen. Nach 23 Filmen ist mittlerweile nicht mehr all zu viel Originalmaterial des Autors übrig.

In You Only Live Twice ermittelt Bond mehr oder weniger durch Zufall den Aufenthaltsort seines Erzfeinds Ernst Stavro Blofeld in Japan. Im Roman davor - On Her Majestys Secret Service ("Im Dienst Ihrer Majestät") - war es Blofeld gelungen, Bonds frisch angetraute Frau Tracy zu ermorden, weshalb Bond zu Beginn von You Only Live Twice in einem derangierten Zustand ist und sich gehen lässt. Er ist unrasiert, trinkt noch mehr als eh schon, erscheint zu spät zur Arbeit und versemmelt seine Aufträge. Um ihm noch eine Chance zu geben, schickt ihn M in einer diplomatischen Mission nach Japan, die alle seine Sinne und Fähigkeiten fordern soll. In einer ebenso bizarren wie tödlichen Umgebung kommt es schlussendlich zum Showdown zwischen Bond und Blofeld. Danach kann Bond zwar entkommen, stürzt jedoch aus großer Höhe ins Meer. Er wird von einer Frau gerettet und hat sein Gedächtnis verloren. Da das einzige Wort, an das er sich erinnern kann, 'Wladiwostok' ist, begibt er auf die Reise dorthin. Unterdessen hält der MI6 Bond für tot, und M lässt einen Nachruf in der Times veröffentlichen.

In The Man With The Golden Gun ist Bond zurück in England. Jedoch wurde ihm in der Sowjetunion eine Gehirnwäsche verpasst und er verübt ein Attentat auf M, das nur haarscharf vereitelt werden kann. Ähnlich wie in You Only Live Twice steht M nun wieder vor der Entscheidung, entweder Bond zu feuern oder ihm eine letzte Chance zu geben. Er setzt Bond auf den berüchtigten Killer Francisco Scaramango an, der im karibischen Raum sein Unwesen treibt. Ein gezeichneter Bond Mitte Vierzig, der zunehmend mit dem Handwerk des Tötens hadert, trifft hier zum ersten Mal auf einen jüngeren Gegenspieler.

Was spricht nun dafür, dass diese Handlungselemente um einen Bond, der zu Beginn in schlechtem Zustand ist, zum Teil sein Gedächtnis verloren hat, und vielleicht sogar vom Feind 'umgedreht' und auf M angesetzt wurde, endlich für den Filmbond genutzt werden? Zum einen das bereits erwähnte Verhör im Trailer, scheinbar mit einem Psychologen, unter Aufsicht von M, Tanner und dem von Ralph Fiennes dargestellten Regierungsagenten Gareth Mallory (vielleicht handelt es sich bei dem Psychologen ja sogar um den in mehreren Romanen erwähnten Neurologen und Nobelpreisträger Sir James Molony, der damit seinen ersten Filmauftritt hätte).

Zu den Szenen in Shanghai und Macao hieß es in verschiedenen Set-Berichten in Zeitschriften, dass Bond "must appear as a character back from the dead". Ein Journalist schrieb das Casino-Set "looks like a kingdom of the dead". (siehe hier, Spoilerwarnung!) Produktionsdesigner Dennis Gassner sagte zudem zu der Casinosequenz: "Bond is back from the dead. This whole film is about illusion." Bond muss demnach in der Vortitelsequenz etwas zustoßen, nachdem er für tot gehalten wird.



Die Vortitelsequenz spielt in Istanbul und beinhaltet eine Motorradjagd zwischen Bond und dem Schurken Patrice (Ola Rapace) über die Dächer der Stadt und dann über eine Brücke auf einen Zug, der schließlich das 98 Meter hohe Varda-Viadukt passiert. Fällt Bond von dieser Brücke ins Wasser, und ist das der Sturz, den man im Trailer kurz sieht? (wie auch commanderbond.net spekuliert) Verliert er dabei auch scheinbar oder tatsächlich sein Gedächtnis? Und schließlich: Nutzt jemand diesen Gedächtnisverlust, um Bond irgendwie neu zu 'programmieren'?

Ein Wort-Assoziationsspiel wäre zumindest eine geeignete Möglichkeit, mögliche trigger-words bei einem umgedrehten Agenten herauszufinden. Außerdem wirkt Bond während des Verhörs nicht wirklich motiviert, ist unrasiert und trägt unpassende Kleidung. Auf anderen Fotos trägt Bond Hochwasserhosen (die allerdings auch außerhalb des Bildausschnitts im Film sein könnten). Die Joggingszene sowie der Schießstand im Trailer lassen zudem vermuten, dass Bond wieder in Form kommen muss.


Wenn man sich den Schießstand näher ansieht, bemerkt man, dass Bond nicht wirklich gut getroffen hat. In der Szene zuvor sieht man Bond in einer Art Umkleide- oder Waschraum, scheinbar Finger- und Handübungen machend. Es ist nicht klar, ob beide Szenen zusammengehören, aber die Location insgesamt könnte zu MI6-Büros in einer stillgelegten U-Bahnstation gehören (die bereits in einem Videoblog zum Production Design zu sehen war). Wenn Bond also nicht treffen kann und danach angestrengt Fingerübungen macht - könnte das mit einer Gehirnwäsche zusammenhängen? In entsprechenden Agentenfilmen sieht man meist, wie "mandschurische Kandidaten" zu Killern wider Wissen gemacht werden. Ob auch das Gegenteil möglich ist - einen Killer seiner Fähigkeiten zu berauben - wäre eine spannende Frage. Es würde Bond zumindest eine gewisse Verletzlichkeit, eine Achilles-Ferse geben, ähnlich der Höhenangst des Protagonisten in Vertigo, der zu Mendes´ erklärten Lieblingsfilmen gehört.

vom Blog Illustrated007
Im Roman The Man With The Golden Gun kämpft Bond ebenfalls mit einer gewissen "Schießmüdigkeit" und lässt zwei Gelegenheiten verstreichen, Scaramanga zu töten. Filmbösewicht Raoul Silva hat durch Javier Bardem im übrigen wie Francisco Scaramanga spanische Wurzeln und bereits mehrere MI6-Agenten auf dem Gewissen. Im Finale des Romans sieht sich ein angeschlagener und müder Bond im jamaikanischen Hinterland Scaramanga gegenüber. Falls Bond Silva in der Umgebung der Skyfall Lodge zur Strecke bringt, könnte es zu einer ähnlichen Szene kommen.

Warum fährt Bond zusammen mit M dann nach Schottland, offenbar zum Familiensitz von Bonds Vorfahren, Skyfall Lodge genannt? Eine Antwort könnte sein, dass der Fehler in Ms Vergangenheit, der sie einholt und Bonds Loyalität auf die Probe stellt, auch mit Bonds Vergangenheit zusammenhängt. Vielleicht mit dem Tod seiner Eltern. Laut dem Nachruf im Roman You Only Live Twice starben sie bei einem Absturz während einer Klettertour in den Bergen. In GoldenEye wurde das erstmals in einem Film erwähnt. Eigentlich lag es schon immer nahe, diesen scheinbaren Unfalltod von Bonds Eltern zu thematisieren, und vielleicht hat Jeffery Deaver das in seinem Bondroman Carte Blanche vorweggenommen. (Interessant wäre auch, ob die ebenfalls in GoldenEye erwähnte Vorliebe von Judi Denchs M für Zahlen und Statistiken an diesen Fehler in der Vergangenheit mitschuld war. Obwohl wir uns seit Casino Royale in einem rebooteten Universum befinden, wäre das eine nette Referenz.)

Eine andere  interessante Spekulation bietet der Blog Dr. Shatterhands Oddblog, wonach Bond und M zum Sitz von Bonds Vorfahren reisen, um Bonds verlorene Erinnerung - und seine alten Fähigkeiten? - wieder zu gewinnen. Ähnlich wie Bond im Roman nach Wladiwostok reist, nur weil er sich an das Wort erinnern kann. Da sie mit Bonds Privatwagen unterwegs sind, sind beide vielleicht schon von einem manipuliertem MI6 suspendiert und müssen sich auf eigene Faust um Schutz und Aufklärung bemühen.

Vielleicht gibt es ja in SKYFALL tatsächlich Referenzen an die Romane You Only Live Twice und The Man With The Golden Gun. Immerhin kehrt Bond nach 45 Jahren wieder nach Japan zurück, wenn auch nur auf der im Studio nachgebauten Geisterinsel Hashima. Vielleicht kommt aber auch alles ganz anders. Gegen eine Verwendung des Gehirnwäsche-Plots spricht hauptsächlich, dass diese Thematik vor allem in den Bourne-Filmen ausgiebig thematisiert wurde. Und da schon Quantum of Solace wegen des hektischen Schnitts der Vorwurf gemacht wurde, sich an Bourne zu orientieren, dürfte eine Art "Bond-Identität" vielleicht nicht gerade ratsam sein - obwohl Flemings Romane Jahrzehnte vor dem von Robert Ludlum geschrieben wurde. Außerdem war Bond bereits im letzten Film in einer Art psychischem Ausnahmezustand. Spätestens Ende November werden sich endlich die vielen Konjunktive in Indikative verwandeln... :)

Mittwoch, 13. Juni 2012

Was kostet die Welt(herrschaft)?

Witschaftsstudenten der Internetseite Centives haben sich die Evil Overlord Liste, die Peter Anspach 1997 erstellte, vorgenommen und die jeweiligen Kosten ausgerechnet. Auf der Spaßliste führt Anspach 100 Punkte an, die man als Superschurke unbedingt tun oder auch lassen sollte - und ist wohl eher an entsprechende Hollywoodautoren adressiert. Insgesamt kosten alle Punkte auf der Liste zusammen leider mehrere Millionen Dollar, weshalb die großen Filmschurken wohl auch weiterhin die üblichen, tödlichen Fehler machen werden.

Einige Zeit zuvor hatte Centives neben den Kosten für einen Todesstern die Kosten eines typischen Schurken-Hauptquartiers im Stile von Blofelds Vulkan in You Only Live Twice oder Strombergs Atlantis in The Spy Who Loved Me errechnet. Wenn man sich mit einem einigermaßen sicheren Bau wie dem MI6-Hauptquartier zufrieden gibt, ist man bereits mit 240 Millionen Dollar dabei. Ob da auch eine Abschussvorrichtung für Qs Spezialboot dabei wäre, ist allerdings fraglich. Außerdem sieht Atlantis oder Scaramangas Insel einfach mal wesentlich cooler aus als diese Lego-Burg an der Themse.

Das komplette Paket inklusive Piranhas und Lohn für einen brauchbaren Henchman kostet unter dem Strich über 17 Milliarden Dollar, plus 15 Millionen laufende Betriebskosten pro Jahr. (Und einen anständigen Henchman sollte man sich schon leisten. Was herauskommt, wenn man sparen will und seinen Cousin nimmt, sieht man in Quantum of Solace.) Umgerechnet wären das über 13 Milliarden Euro plus 12 Millionen. Immer noch weniger als ein Euro-Rettungsschirm, und immerhin 35 Privatpersonen auf der Welt könnten sich das leisten!

Es gibt allerdings auch zwei Möglichkeiten, etwas preiswerter an ein brauchbares Schurkenversteck zu kommen. Entweder man engagiert Ken Adam als Architekt, oder man erwirbt eine bereits vollständig erschlossene Immobilie, wie diese U-Bootbasis in einem Berg in Norwegen. inklusive Notstromsystem, Werkstätten und unterirdischem Tunnelsystem. Laut io9.com kann man dieses schöne Anwesen bereits für den Schnäppchenpreis von 17,5 Millionen Dollar erwerben, also umgerechnet 14 Mio. €. Für Weltherrschafts-Aspiranten könnte soetwas für den Anfang durchaus geeignet sein, wenn man mal von der allseits bekannten Lage absieht...

Dienstag, 12. Juni 2012

Boyd über Bond

Auf der Seite news tank äußert sich William Boyd über seine Herangehensweise an Bond. Der schottische Schriftsteller und Drehbuchautor (unter anderem Chaplin) wurde von Ian Fleming Publications beauftragt, einen James-Bond-Roman zu schreiben, der im Herbst 2013 erscheinen soll und im Jahr 1969 angesiedelt ist.

Boyd erklärt: "He is a middle-aged man, a middle-aged spy, and that’s one of the things that interests me" und "I’m a realistic novelist and what interests me about Bond is the human being. There will be no mountains filled with atom bombs or global plagues, no gadgets, no superpowers or preposterous enemies – there will be an entirely believable psychopath, not a preposterous psychopath." - "And similarly with love affairs – in my novel they will be entirely believable."

Das heißt also ein 45jähriger James Bond mit glaubwürdigen Liebesbeziehungen, keine Gadgets, keine mit Atombomben oder Biowaffen gefüllte Berge und keine absurden Psychopathen. Der von Fleming in seinen Büchern beschriebene war bereits realistischer und menschlicher angelegt als der Bond der Filme, so realistisch allerdings auch wieder nicht. Ich habe kein Problem mit einem realistischeren Ansatz bei Bond, den ja auch bereits Jeffery Deaver verfolgte. Was mich bei solchen Aussagen über die so cartoonhafte Überzeichnung der Filme nur immer wieder wundert ist, dass a) bereits in den Fleming-Büchern ziemlich absurde Gegenspieler - wie der Dr.-Fu-Manchu-inspirierte Doktor No - sowie Weltbedrohungsszenarien mit A- und B-Waffen vorkommen, und b) die reale Welt der Politik und Spionage zum Teil nicht minder cartoonhaft wirkt. Wer jemals ein Spionagemuseum besucht hat, weiß welche phantasievollen und teils kuriosen Gadgets von realen Agenten benutzt wurden. Ein James Bond, der ohne Gadgets agiert, ist in dem Sinne eigentlich eher unrealistischer. Auch "bombengefüllte Berge" sind kein völliges Phantasieprodukt, wenn man nur an die unterirdischen Bunkeranlagen der Nationalsozialisten denkt, in denen an "Vergeltungswaffen" gearbeitet wurde, sowie die modernen Gegenstücke diverser Staaten. Und jemand wie Gaddafi beispielsweise mit seiner Theatralik und seinem weiß getünchten Gesicht würde als Filmbösewicht wohl auch eher absurd und grotesk, um nicht zu sagen unglaubwürdig, wirken. Nichtsdestotrotz freue ich mich natürlich auf Boyds Bond-Interpretation.

Montag, 11. Juni 2012

TV-Tipps

Dienstag, 12. Juni

"Lili Marleen" (Deutschland 1980)

RBB, 23:55
Zum 30. Todestag von Rainer Werner Fassbinder sind zur Zeit einige Filme von ihm im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen, darunter auch eine Reihe auf ARTE. In Fassbinders Kriegsdrama Lili Marleen, das lose auf der Autobiografie von Lale Andersen beruht, ist Giancarlo Giannini in der Rolle des Juden Robert zu sehen. In Casino Royale und Quantum of Solace spielte Giannini René Mathis.


Mittwoch, 13. Juni

"The Quest - Die Herausforderung" (USA 1995)

Kabel 1, 22:30 Uhr
Mit diesem Martial-Arts-Abenteuer hat sich B-Actionmime Jean-Claude Van Damme zum ersten Mal als Regisseur versucht, mit eher mäßigem Erfolg. Für die Rolle des Lord Dobbs konnte er Sir Roger Moore gewinnen. Obwohl Sir Roger seinen gewohnten Charme versprüht, äußerte er sich in seiner Autobiografie über die Dreharbeiten eher kritisch.

Sonntag, 10. Juni 2012

Richard Sammel

Gerade hab ich ein sehr interessantes Interview mit Richard Sammel im Internet entdeckt, bekannt aus Filmen wie Das Leben ist schön, OSS 117 - Der Spion, der sich liebte, Inglourious Basterds und Casino Royale, wo er Adolph Gettler verkörperte. Dass Sammel ursprünglich auch für die Rolle des Hans Landa in Inglourious Basterds vorsprach, und auch für die des Le Chiffre in Casino Royale, war mir bisher nicht bekannt. Sammel als Le Chiffre ist eine sehr interessante Vorstellung. Im Interview gibt er auch einige sehr nützliche Tips für Nachwuchs-Schauspieler.

Donnerstag, 7. Juni 2012

SKYFALL Costume Videoblog



Die Szenen im Casino sehen sehr stimmungsvoll und bondlike aus, und erinnern mich etwas an die Casinosequenz in The Man With The Golden Gun, die ebenfalls in Macao spielte (damals allerdings noch zu Portugal gehörend). Vielleicht Absicht, und eine von mehreren etwas dezenteren Hommagen als in Die Another Day?

Ich glaube, hier sieht man die sehr langen Fingernägel von Severine, die in einen TVMovie-Interview bereits erwähnt wurden. Laut wikipedia waren solch lange Nägel im China der Qing-Dynastie üblich, sind es in einigen asiatischen Ländern noch heute und sollen anzeigen, dass der Träger keiner körperlichen Arbeit nachgehen muss. Bond mit einer reichen, geheimnisvollen Frau auf einem Schiff in Asien... Mit etwas Phantasie könnte man sich an einen anderen Film mit Roger Moore erinnert fühlen...

Da der DB5 Bonds Privatwagen ist, könnte es sein, dass man hier auch Bonds private Garage sieht? Für die Abteilung Q sieht es dann doch etwas zu kramig aus.

Django Unchained Trailer

Und da ist er, der erste Trailer zu Tarantinos neuestem Streich. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, worauf ich mich mehr freue - auf den Film oder auf den Soundtrack...

Mittwoch, 6. Juni 2012

60 Jahre Queen

Zum The Queen's Diamond Jubilee BBC Concert traten auch drei Bondveteranen auf: Sir Tom Jones, Sir Paul McCartney und Dame Shirley Bassey. Der Tiger - der früher einmal selbst als Bond in Erwägung gezogen wurde und mittlerweile rein optisch einen guten Bösewicht abgeben würde - sang zwar nicht Thunderball, versprüht aber immer noch ebenso viel Power und Charme wie eh und je. Ebenso Bassey, die passenderweise Diamonds Are Forever sang, und McCartney mit Live And Let Die. Wie genial wäre doch eine Rückkehr von einem der drei, oder vielleicht sogar einem Duett von Bassey und Jones, zu Bonds Golden Jubilee! (Wobei ich auch sehr gut mit einem zweiten Einsatz von Duran Duran oder a-ha leben könnte... :)





Und als bondige Zugabe noch Grace 'Mayday' Jones mit Slave to the Rythm. Die mittlerweile 64jährige Jamaikanerin wirkte nicht zuletzt durch ihre über vierminütige Hula-Hoop-Performance so topfit, als könnte sie Roger Moore immer noch zum Frühstück verspeisen. Insgesamt kann man die Veranstaltung nur als äußerst gelungen bezeichnen. Die Briten verstehen es einfach mal, zu feiern...

Der schwarze Kanal

Seit fast zwei Wochen ist das Teaserplakat zum neuen Bond SKYFALL nun online, und ich möchte meinen neuen Blog mal dazu missbrauchen, dazu ein paar Gedanken zu äußern.


Das positivste Signal, das das Plakat in Richtung Fans sendet, ist wohl die Verwendung der ikonischen Maurice-Binder-Gunbarrel. Nach deren Neu-Definition in Casino Royale und der Positionierung am Ende des Films bei Quantum of Solace ist die Gunbarrel-Sequenz wohl mehr denn je zu einem Symbol für den klassischen Bond geworden, den sich viele Fans zurücksehnen.

Der massive Einsatz von schwarzer Farbe scheint dagegen auf einen ziemlich düsteren Film hinzudeuten. Rein grafisch bietet das Plakat leider nicht viel neues. Ein Bond in gehender oder laufender Pose wurde erstmals auf dem Plakat zu Licence to Kill verwendet (wenn man mal von dem - physikalisch sehr abenteuerlich - am Kraterrand marschierenden Bond auf einem Plakat zu You Only Live Twice absieht). Obwohl das entsprechende Plakat nicht gerade zu den besten zählt und den eher unrühmlichen Übergang zur Verwendung von ausgeschnittenen Fotoelementen markiert, war es durch den erstmaligen Einsatz einer dynamischen Bondpose im Gegensatz zu den sehr statischen davor durchaus innovativ. Auch durch die offene Fliege bzw. dem fehlenden Smoking.

Bond on the run
Der Pistolenlauf an sich wurde ebenfalls in der Dalton-Ära für The Living Daylights als Hauptmotiv verwendet. Insofern könnte man das SKYFALL-Teaser-Poster als zweifache Referenz an die Dalton-Ära verstehen. Eine dritte käme sogar noch hinzu, wenn man sich durch die Kanal-Optik an Der Dritte Mann erinnert fühlt. Regisseur John Glen, der seine Filmkarriere als Schnittassistenz bei eben jenem britischen Noir-Klassiker begann, bereicherte die Wien-Szenen von The Living Daylights um die eine oder andere Referenz an selbigen. Wenn man bedenkt, dass The Living Daylights noch vor Die Another Day und SKYFALL der erste zelebrierte Jubiläumsbond mit diversen Zitaten der Bondgeschichte war, schließt sich der Kreis.

Inwieweit die Pistolenlauf-als-Tunnel-Optik entsprechende Schlüsselszenen im Film visualisiert, darüber darf noch wild spekuliert werden. Immerhin gibt es eine offenbar sehr spektakuläre Actionszene in der Londoner Tube. Vielleicht geht Bond auch nur metaphorisch weiter in die dunklen Gefilde seines Unterbewusstseins; ein Weg, der auf den Stufen des Casino Royale begann und über die Wüste von Quantum of Solace führte...