Samstag, 28. Juli 2012

Realität versus Kino

Knapp eine Woche nach dem Amoklauf in einem Kino im US-amerikanischen Aurora und vor dem ersten Wochenende von THE DARK KNIGHT RISES in Deutschland wird zur Zeit wieder die Frage nach der Mitverantwortlichkeit der Medien an Gewaltakten gestellt. Die Frage an sich ist wahrscheinlich so alt wie Unterhaltungsmedien selbst. Bereits Goethe wurde beispielsweise Ende des 18. Jahrhunderts vorgeworfen, mit seinem Roman Die Leiden des jungen Werther eine Selbstmordwelle unter Jugendlichen ausgelöst zu haben.

Obwohl ich selbst sowohl begeisterter Medienkonsument als auch -produzent bin (u.a. in Form von Kurzfilmen, -Geschichten und Drehbüchern) würde ich vor allem Kino, Fernsehen und Computerspiele nicht völlig von jedem Vorwurf freisprechen. Die Meinung vieler Film- und Spielefans kommt wohl sehr gut in einem Zitat aus der Horror-Parodie SCREAM (1996) zum Ausdruck: "Movies don't create psychos. Movies make psychos more creative." Soll heißen: "Normale" Menschen können praktisch alles ohne Gefahr ansehen oder als Simulation durchspielen, weil sie zwischen Realität und Fiktion unterscheiden können, während die Psychos das eben nicht können.
Die Realität sieht jedoch wie so oft nicht ganz so einfach aus. Vor allem im Bereich Horror werden immer psychopathischere Gewaltphantasien als innovatives Erzählen verkauft. Die Geschichte des Horrorfilms könnte man im Prinzip als eine Geschichte der moralischen Abstumpfung bezeichnen. Ähnliches gilt zu einem großen Teil auch für andere Genres und Medien. Die Vorstellung, dass ein medialer Gewaltkonsum kathartisch wirkt - man also virtuell mal Dampf ablässt und es einem danach besser geht - ist dabei allerdings sehr fragwürdig. Interessant ist dazu ein Interview mit dem Militärpsychologen Dave Grossman - Gewalt ist lernbar"Was man in den ersten Lebensjahren lernt, kann nicht wieder ausgelöscht werden. Kinder, die tagtäglich Gewaltexzesse in den Medien sehen, entwickeln eine Art "Böse-Welt-Syndrom". Sie werden nicht zwangsläufig kriminell, aber sie akzeptieren Gewalt in ihrem Leben leichter als andere. Das ist der Anfang." - "[...] sie haben Spaß daran. Und da findet die typische klassische Konditionierung statt, die beim Militär tabu ist. Der Teenager sieht, wie Menschen gefoltert und grausam umgebracht werden, gleichzeitig trinkt er seine Lieblings-Cola und schmust mit der Freundin. Intensiver kann die Verbindung zwischen Gewalt und schönen Gefühlen kaum sein. Nachdem zwei Jungen, 11 und 13 Jahre alt, auf Mitschüler in Jonesboro geschossen hatten, informierte die Lehrerin in der benachbarten High School ihre Klasse über die Tragödie. Da haben manche Kids gelacht! Sie haben gelernt, den Tod lustig zu finden."
Mit THE DARK KNIGHT RISES wurde nun allerdings gerade ein Film durch eine Gewalttat überschattet, der sich sehr intelligent und kritisch mit eben solchen gesellschaftlichen Problemen auseinandersetzt. Wenn man jedoch liest, dass in der Mitternachtsvorstellung eines Films, der wegen intensiver Gewalt- und Actionszenen erst für Kinder ab 13 Jahren empfohlen wurde (die Altersfreigabe ist in den USA eh weniger streng als hierzulande) sechsjährige Kinder und sogar ein drei Monate altes Baby waren, dann ist das ein trauriger Beweis für die von Grossman und anderen angesprochene Problematik der alltäglichen Gewaltkonditionerung von Kindern und Jugendlichen.

Neben den üblichen Verdächtigen Medien und Waffen scheint an dieser Tragödie aber auch ein Faktor beteiligt gewesen zu sein, von den man selten bis gar nicht in den Nachrichtenmeldungen hört oder liest. Wie fast alle jugendlichen Amokläufer war auch James Holmes in psychiatrischer Behandlung. Und "in psychiatrischer Behandlung" heißt in der Praxis meist nichts anderes als auf diverse Psychopharmaka "eingestellt". Ein Zusammenhang zwischen der Erschließung von Kindern und Jugendlichen als Zielgruppe der Pharmaindustrie und vermehrten jugendlichen Selbstmorden, Morden und anderen Gewalttaten zeichnet sich zunehmend ab. Wenn man liest, dass Holmes während der Vernehmung apathisch "wie unter Drogen" wirkt und gestützt werden muss, erhärtet sich dieser Verdacht.

Bereits der Vorgängerfilm THE DARK KNIGHT wurde von der Tragödie des Todes von Heath Ledger überschattet, der wie zahlreiche andere Prominente durch einen Medikamentencocktail starb. Auch in diesen Fällen wird erstaunlich selten eine Mitverantwortung von Industrie und Ärzten in Erwägung gezogen - wie es beispielsweise beim tragischen Tod von Michael Jackson der Fall war.

Montag, 23. Juli 2012

Skyfall Fan-Art

Hin und wieder möchte ich hier auch eigene Plakat- und Buch-Cover-Entwürfe veröffentlichen. Obwohl ich sehr gern mit Photoshop arbeite, bin ich noch lange kein Meister unter den "Photoshöpfern". Nichtsdestotrotz freue ich mich über Kritik und Anregungen. Hier zwei schon etwas ältere Entwürfe zum neuen James-Bond-Streifen SKYFALL:



Mittwoch, 18. Juli 2012

Letzte Ausfahrt Feldstadt

Auf den Spuren von Octopussy in Berlin, Teil 1

Vor fast genau dreißig Jahren, am 10. August 1982, begannen in Berlin die Dreharbeiten für das 13. James-Bond-Abenteuer Octopussy. Drehorte hier waren der Kurfürstendamm, Checkpoint Charlie sowie der AVUS samt der Ausfahrt Hüttenweg. Auf letzterer wurde ein Teil der Verfolgungsjagd mit der deutschen Polizei gedreht, die sich James Bond auf dem Weg zum US-Stützpunkt im fiktiven Feldstadt liefert. Bis vor kurzem gehörte die Abfahrt zu den Bondlocations, die sich fast überhaupt nicht verändert haben. Allerdings wird sie samt Brücke zur Zeit erneuert, wie ich nach einer Wanderung durch den Grunewald zur besagten Stelle erfuhr. Der Vorteil der Bautätigkeit war zumindest, dass der entsprechende Autobahnabschnitt problemlos begehbar war.


Die Abfahrt Hüttenweg.












Die typischen T-förmigen Lichtmasten sind erstmal verschwunden.






Ein alter Bekannter am Hüttenweg :)








Interessanterweise wäre Bond hier in der Realität zwar nicht zum US-Army-Stütztpunkt Feldstadt, aber immerhin zur Alliierten-Kommandatur im amerikanischen Sektor in Dahlem gekommen. Dort befindet sich heute das Alliierten-Museum mit Oupost-Kino, einem Stück Mauer und einem Grenzwachturm, sowie der originalen Kontrollbaracke vom Checkpoint Charlie. Dort befindet sich heute nur noch eine originalgetreue Replik der ersten Baracke aus den Sechziger Jahren.

Zu bestaunen gibt es ebenfalls einen "Rosinenbomber" aus der Zeit der Berliner Luftbrücke, der allerdings nur sonntags begehbar ist, sowie den Speisewagen eines französischen Militärzuges. Der Besuch des Museums ist übrigens kostenlos. Derzeit gibt es Pläne, das Alliierten-Museum aus Platzgründen in das Flughafengebäude Tempelhof zu verlegen.


Alles Roger!
Das originale Wachhäuschen vom Checkpoint Charlie. Mitte der Achtziger wurde es mit einem Überdach für die wachhabenden Soldaten versehen. (rechts der Abtransport 1989, Quelle: wikipedia)



Sonntag, 15. Juli 2012

Dial Q for Queries

Nachdem sich Barbara Broccoli in diversen Zeitungsinterviews bis vor kurzem noch zierte, Ben Wishaw als Neubesetzung des Waffenmeisters Q zu bestätigen, wirkte die entsprechende offizielle EON-Meldung am Donnerstag dann ein bisschen wie eine Pseudo-Sensation - die feierliche Bekanntgabe dessen, was jeder irgendwie schon wusste. Wenigstens wurde die Meldung mit dem ersten offiziellen Foto von Wishaw als Q garniert:



Die Neu-Interpretation des legendären Gadget-Tüftlers könnte zum Prüfstein für den mit Casino Royale eingeläuteten Reboot der Franchise werden. Vor allem bei den Kritiken zu Quantum of Solace war die Abwesenheit der Ikonen Q und Miss Moneypenny ein wesentlicher Stein des Anstoßes. Aber gerade jene Kritiker, die das Wegrationalisieren dieser traditionellen Zutaten bemängeln, sind oft auch diejenigen, die im nächsten Atemzug betonen, wie unersetzbar Desmond Llewelyn und Lois Maxwell in jenen Rollen seien. Klingt ein bisschen nach der Quadratur des Kreises, und ist es wohl letztendlich auch. "Gebt uns Q und Moneypenny zurück, aber bitte weder als Kopie der 'Originale' noch als zu radikale Neuinterpretation"...

Eine Forderung, die gerade im Bond-Franchise, das sich radikaler als jedes andere angepasst und erneuert hat, ziemlich absurd wirkt. Seit quasi 40 Jahren praktiziert man die ebenso erfolgreiche wie andauernde Emanzipation vom mantra-artig hergebeteten "einzig wahren Ur-Bond" Sean Connery. Da sollte die kreative Weiterführung von Q und Moneypenny jenseits von Llewelyn und Maxwell eigentlich eine der leichtesten Übungen sein.

Die größte Schwierigkeit für einen neuen Q stellt sicherlich das fast inflationäre Auftauchen Q-inspirierter Charaktere in der Film- und TV-Landschaft der letzten Jahre dar, die im Prinzip alle Schattierungen der entsprechenden Archetypen vom Magier zum Mentor durchgespielt haben. Vom zappelig-schüchternen Loser-Nerd à la Marshall Flinkman in ALIAS (den ich sehr mochte) über den wohl obligatorisch asiatischen Technikfreak à la Masi Oka in Get Smart oder Jay Chou in The Green Hornet bis zum väterlichen Freund und moralischen Mentor à la Morgan Freeman in Chris Nolans Breitreifen-Batman-Universum.

Selbst im Bond-Universum an sich wurden bereits verschiedene Q-Interpretationen durchgespielt. Der eigentliche Ur-Quartiermeister/Major Boothroyd Peter Burton in Doctor No war noch der anonyme, unscheinbare Beamte. Der unvergessene Desmond Llewelyn machte in 17 Bondfilmen und 36 Jahren eine sehr schöne und dezente Entwicklung vom genervten Entwickler hin zum zwar immer noch leicht schrulligen, aber letztlich doch erfahrenen und väterlichen Freund durch, und machte den Charakter damit zum Kult.

Im Konkurrenz-Bond Never Say Never Again von 1983 war Q - hier mit Vornamen Algernon - ein heimlicher Bond-Verbündeter, der im MI6-Keller sein unterschätztes Dasein fristet, während Edward Fox´ M den kopfschüttelnden "Grow up, 007!"-Part übernahm. (In gewisser Weise nahm Sag niemals nie damit die Entwicklung von Q zu Bonds unausgesprochenem Freund in der Dalton- und Brosnan-Ära vorweg)

Mit John Cleese fand man einen Nachfolger, der zwar auf der einen Seite wesentlich prominenter als Llewelyn selbst war, aber andererseits in zwei Filmen keine nachhaltig prägende und überzeugende Q-Interpretation etablieren konnte. In The World Is Not Enough funktionierte Cleese eigentlich noch gut als Counterpart zu Llewelyn, während er in Die Another Day nicht wirklich eigene Akzente setzen konnte - was sicher auch sehr an Lee Tamahoris unausgereifter Regie lag. Das ist schon sehr schade angesichts von John Cleese´ Karriere, zumal er im Remake von Der Tag, an dem die Erde stillstand durchaus als ernsthafter Wissenschaftler überzeugen konnte

Auch in Casino Royale und Quantum of Solace gab es bereits zwei MI6-Wissenschaftler zu sehen. Ich persönlich hätte diesen bierbäuchigen, schnurbärtigen Durchschnittstypen aus Casino als gelungenen Q empfunden, gerade weil er so unscheinbar wirkt und sich den gängigen Technogeek-Klischees entzieht.



Auf der diesjährigen ComicCon wurde der IMAX-Trailer zu SKYFALL gezeigt, mit einem Dialogfetzen zwischen Bond und Q, der das gespannte Verhältnis zwischen beiden anzudeuten scheint. Q sagt hier zu Bond, dass er an seinem Rechner zuhause im Pyjama mehr Menschen töten könne als Bond in einem Jahr seines altmodischen Dienstes an der Front. Wie Sam Mendes einem französischem Filmmagazin verriet, scheint der neue Q auch etwas morbider angelegt zu sein als seine Vorgänger: Wer ist Q - ein Erfinder von Gadgets, die eine immer gößere Bedeutung einnahmen, oder ein Mann, der neue Methoden ersinnt, Menschen umzubringen?

Ob der neue Q irgendwo in der echten MI6-Welt ein reales Vorbild hat, ähnlich wie die ehemalige MI5-Chefin und jetzige Schriftstellerin Stella Rimington  für Judi Denchs M, darüber kann man bisher nur spekulieren. Immerhin sorgt seit zwei Jahren der ebenso mysteriöse wie ungeklärte Tod des jungen MI6-Tüftlers Gareth Williams für Schlagzeilen. Um die Süddeutsche Zeitung zu zitieren:
Gareth Williams war ein brillanter Logiker. Er schloss sein Studium der Mathematik mit 17 ab, als 21-Jähriger war er Doktor der Computerwissenschaft. Zunächst schloss er sich GCHQ an, einer Regierungsbehörde, die sich vor allem mit Kryptographie beschäftigt. Zuletzt arbeitete er für den MI6, wo er sich mit "praktischen Anwendungen neuester Technologien" beschäftigte.

Was immer das heißt: Es klingt nach der Arbeit des Tüftlers Q aus den James-Bond-Filmen, der den Agenten stets mit neuestem Schnickschnack versorgt. Woran Williams ganz genau arbeitete, bleibt geheim.
Vielleicht ersann Gareth wie Q neue Methoden, Menschen umzubringen, und bezahlte seine düstere Obsession mit einem bizarren Tod: Gareth wurde eingezwängt in eine Sporttasche gefunden, ohne jede Spur von Fremdeinwirkung. Da kann man nur hoffen, dass uns Ben Wishaws tödlicher Tüftler etwas länger erhalten bleibt.

Sonntag, 8. Juli 2012

Saul Bass

Eine sehr schöne Hommage an den genialen und legendären Titel- und Plakatdesigner Saul Bass (1920 - 1996):


Es wäre interessant gewesen, was Bass mit seinem minimalistischen Stil für einen Bondtitel kreiert hätte...

(Quelle)