Montag, 10. Dezember 2012

Gestern und Morgen

                                           "You'll relish the world that I create."
                                                               (k.d.lang - Surrender)

Vor 15 Jahren hatte TOMORROW NEVER DIES Weltpremiere im Londoner Odeon. Die Dreharbeiten des Films litten unter einem strengen Zeitplan, was sich im fertigen Film bemerkbar macht. Das sowie die überbordende Action und Product Placement führten dazu, dass der Film von Fans und Kritikern wenig Liebe erfuhr. So schrieb die Cinema beispielsweise, Bond wäre nun endgültig zum Dressman der Lifestyle-Industrie verkommen. Dabei bietet der Film auf den zweiten Blick durchaus viele innovative Ideen.

Aufgrund des Erfolgs von GOLDENEYE bestimmten MGM und United Artists, dass der nächste Bond innerhalb einer Zwei-Jahres-Spanne erscheinen sollte. Die Dreharbeiten begannen ohne fertiges Drehbuch und ohne die Besetzung von Gegenspieler Elliot Carver und dessen Frau Paris. Anthony Hopkins und Monika Bellucci waren im Gespräch, schafften es jedoch nicht in den fertigen Film. Teri Hatcher, die schließlich die Rolle der Paris übernahm, musste ihre Szenen aufgrund einer ungeplanten Schwangerschaft so schnell wie möglich abdrehen. Schließlich zog Vietnam bereits zugesicherte Drehgenehmigungen wieder zurück. Dazu bewies MGM bei vielen Entscheidungen ein unglückliches Händchen. Der Arbeitstitel TOMORROW NEVER LIES, der im Zusammenhang mit der Handlung wesentlich mehr Sinn ergeben hätte, wurde aufgrund eines Übermittlungsfehlers in DIES geändert. Und von mehreren eingereichten Titelsongs, darunter von Pulp, Marc Almond und k.d. lang, wählte man mit Sheryl Crow den langweiligsten.

Das letztendliche Szenario um einen durch Provokation und gestohlene Militärtechnik ausgelösten dritten Weltkrieg erinnert sehr an YOU ONLY LIVE TWICE und THE SPY WHO LOVED ME. Neu ist das Motiv dahinter, die Quoten der entsprechenden Berichterstattung. Eine Idee, die enormes Potential besitzt (zu den Pupert-Murdoch-Parallenen siehe beispielsweise hier) Obwohl der Film der erste der Franchise ist, der überhaupt keine Bezüge zu Ian Fleming hat (bei GOLDENEYE war es zumindest der Titel, der von Flemings jamaikanischen Anwesen geborgt war), hat die Handlung einige Parallelen zu Flemings Leben. Fleming arbeitete selbst lange Jahre als Journalist und hatte es beinahe geschafft, Stalin zu interviewen. Nach dem zweiten Weltkrieg war er der Chef der Auslandskorrespondenten der Kemsley Newspaper Group, zu der unter anderen die Sunday Times gehörte. Fleming saß an einem Schreibtisch, eine Weltkarte mit blinkenden Lichtern vor sich, wie eine 50er-Jahre-Version von Carver. Neben dieser Tätigkeit schrieb er während jeweils zweimonatiger Urlaube auf Goldeneye die Bondromane. Zudem hatte Fleming wie Bond im Film eine Affäre mit der Frau eines Zeitungsmagnaten - Esmond Harmsworth - die er später allerdings heiratete (Interessanterweise hieß der Bösewicht im ersten Drehbuchentwurf Elliott Harmsway. Im Roman zum Film ist er zudem Sohn von Lord Roverman, Harmsworth war Viscount Rothermere.)

15 Jahre vor SKYFALL wurde schon einmal
Bonds Nachruf geschrieben (themoviescene.co.uk)
Die Figur des Elliott Carver kann man zudem als einen bis dahin neuen Typus von Gegenspieler ansehen, dem vermeintlichen Wohltäter. Anders als Blofeld, Goldfinger oder Stromberg scheuen sie nicht die Öffentlichkeit, sondern manipulieren sie für ihre Zwecke. In den Romanen verkörperte Sir Hugo Drax diesen Typus, in den Filmen hatte man ihn bis dahin nur ansatzweise genutzt. Ähnlich wie Carver verkauften sich später auch Gustav Graves und Dominic Greene öffentlich als Philanthropen.

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