Dienstag, 22. Januar 2013

Mauersprünge

Einer der spektakulärsten Stunts der Bondfilme ist der Bungeesprung von der Contra-Talsperre im Schweizer Kanton Tessin, für GOLDENEYE (1995). Bei einer Umfrage der Seite Skymovies wurde er sogar zum besten Filmstunt aller Zeiten gewählt. Doch James Bond, beziehungsweise Stuntman Wayne Michaels war nicht der erste, der mit einem Bungeeseil von dieser Staumauer sprang. Tatsächlich war dieser Stunt bereits fünf Jahre zuvor in einem Kinofilm zu sehen.


Ende der 1980er drehte Skirennfahrer, Kameramann und Designer Willy Bogner nach FIRE & ICE einen weiteren Spielfilm mit dem Titel FIRE, ICE & DYNAMITE. Roger Moore spielt darin einen Millionär, der seinen Tod vortäuscht (mit einem Freefall-Stunt à la MOONRAKER) und ein wahnwitziges Wettrennen initiiert, das an RAT RACE oder JACKASS erinnert, um seine Kinder untereinander und mit sich zu versöhnen. Neben Roger Moore wirkten auch die Bond-Stuntmen B.J. Worth und Rémy Jullienne mit.

Bogner kreierte für den Film zahlreiche halsbrecherische Sportarten, wie etwa das Skifahren durch einen Looping oder auf einer Geröllpiste. Ein Teil des Wettbewerbs ist eine Kletterei am Verzasca-Staudamm. Uwe Ochsenknecht (DAS BOOT), der in dieser leider etwas klamaukig geratenen Komödie den Bösewicht verkörpert, will die Konkurrenten sabotieren und wirft, mit einem Seil gesichert, einen Sprengsatz hinunter. Doch er stürzt selbst hinterher. Natürlich wirkt der Bungeesprung in GOLDENEYE ungleich spektakulärer, und deckte im Gegensatz zum Erstsprung fast die gesamte Höhe des Damms von 220 Metern ab. (Clevererweise hat man den Sprung im Film auf 1986 zurückdatiert, so dass Bond wenigstens im Film der Erste ist.)

Realisiert wurde der Sprung in FIRE, ICE & DYNAMITE von Stuntman Jochen Schweizer, der für den Film auch einen weiteren spektakulären Bungeesprung durchführte, von einer nahegelegenen Brücke über die Verzasca. Hierbei tauchte er kurz mit dem Oberkörper ins Wasser ein, um einen Staffelstab weiterzugeben.

Im weiteren Filmverlauf sieht man die atemberaubenden Stromschnellen der Verzasca (von Verde aqua - grünes Wasser), die auch heute noch bei Paddlern und Tauchern beliebt sind.

Wie Bogner im Audiokommentar der DVD erwähnt, erhielt er für die Nutzung seiner Stunt-Idee in GOLDENEYE kein Geld oder namentliche Erwähnungen. Allerdings hat Stuntman Jochen Schweizer mittlerweile ein Erlebnis-Unternehmen, dass auch Bungeesprünge vom Verzasca-Damm anbietet. So schließt sich der Kreis dann wohl wieder.

Bungeesprungmöglichkeit am Damm 2011 (und nein, ich war nicht so verrückt ;)

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