Freitag, 25. Januar 2013

Space Age Hero

                "Als der Mensch ins Atomzeitalter trat, eroberte er eine neue Welt. Welchen Gefahren 
                 wir ins Gesicht sehen müssen, kann kein Mensch voraussehen!"
                                 (THEM!, 1954)


Vor einem halben Jahrhundert kam der erste Bondfilm in die deutschen Kinos, unter dem Titel: James Bond 007 jagt Dr. No. Der Film spiegelt perfekt den Zeitgeist der 50er und 60er Jahre wider, als die Menschheit hin und hergerissen war zwischen apokalyptischen Ängsten und unbegrenzten Möglichkeiten - ausgehend sowohl vom Mikro- wie vom Makrokosmos. Die kleinsten Teilchen erwiesen sich doch nicht als unteilbar und stellten gigantische Energien zur Verfügung, während sich der Kosmos durch die Raumfahrt als potentieller Lebensraum anzubieten schien. Angesichts der gerade mühsam überwundenen Schrecken des zweiten Weltkrieges stellte sich zum ersten Mal im globalen und existentiellen Maßstab die Frage des moralischen Fortschritts. Zeit für übermenschliche Helden, die das Gleichgewicht des Schreckens auf ihren Schultern balancieren konnten.


Der Plot von DR. NO verbindet die Möglichkeiten und Gefahren beider Welten sehr clever. Der Nuklearphysiker Dr. Julius No benutzt die Kernkraft, um Nasa-Raketen von ihrem Weg in den Weltraum abzulenken - die Kräfte des Mikrokosmos versperren sozusagen den Weg in den Makrokosmos, und bedrohen durch einen Krieg zwischen den Weltmächten die Menschheit. Fast eine Metapher für den Kalten Krieg an sich - andererseits trieb gerade der Wettstreit der Ideologien die Raumfahrt stärker voran, als es eine rein friedliche und wissenschaftliche Neugier vermocht hätte. Am Ende sinkt der mad scientist langsam in das kochende Wasser des Kernreaktors, während die Rakete ungestört Richtung Weltall aufsteigt.

Doch DR. NO visualisiert nicht nur die Angst des jungen nuklearen Zeitalters, sondern auch die mindestens genauso große Faszination, und damit den aus heutiger Sicht naiv wirkenden Umgang mit den Gefahren. Legendär beispielsweise die Szene, als James Bond und Honey Rider durch eine Art Waschanlage befördert und von Radioaktivität befreit werden. Auch das Manipulieren des Reaktors, das zur Zerstörung der ganzen Insel führt, ist aus heutiger Sicht grob fahrlässig, denn wie die Seite cracked.com vor einiger Zeit feststellte, wäre damit ein Großteil der Karibik verstrahlt. Radioaktivität hatte neben der Gefahr noch etwas magisches. Wie genau das "Toppling" der Raketen durch die Strahlen gelingt, bleibt unklar. Funktionieren würde es in der Realität wohl eh nicht, da die Raketen seinerzeit durch einen Kreiselkompass gesteuert wurden, der mechanisch funktioniert und sich durch elektromagnetische Strahlung nicht beeinflussen lässt.

Motorola-Werbung von Charles Schriddle, 1961,
Salon von Dr. No
DR. NO ist am ehesten von allen Bondfilmen Atompunk, ein Science-Fiction-Genre, das 2009 defininiert wurde und eben dieses naiv-utopische umfasst. Dazu gehört natürlich auch die typische Space-Age-Architektur à la Googi, Populux und Mid-Century-Modernism - für die bei den ersten Bondfilmen der geniale Produktionsdesigner Ken Adam verantwortlich war.

In Deutschland waren die Kritiken gemischt. Die katholische Filmkritik formulierte vorsichtig: "Die rasche Liebespraxis des Helden und zahlreiche kaltschnäuzige Brutalitäten bedingen Einwände". In der Bravo hieß es: "Das wird geboten: Geheimagenten, Attentate, Todesstrahlen".

In den USA startete der Film erst im Mai 1963, und das auch in einem Doppelprogramm, da man sich über den amerikanischen Markt sehr unsicher war. Befürchtungen, die sich als unbegründet erwiesen. Mit DR. NO startete ein ganzes Franchise erfolgreich in seinen eigenen Kosmos.

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