Freitag, 10. Mai 2013

Starfall

Star Trek Into Darkness
USA 2013
Regie: J.J. Abrams
Darsteller: Chris Pine, Zachary Quinto, Benedict Cumberbatch

STAR TREK ist eigentlich ein Franchise, das buchstäblich unendlich viele Möglichkeiten bietet. Man kann sich im Gegensatz zu Bond beispielsweise effektetechnisch völlig austoben; man hat zahllose phantastische Welten, Wesen und Technologien zur Verfügung und schließlich auch die Möglichkeit, aktuelle und klassische Menschheitsthemen spielerisch in utopisch-übersteigerten Metaphern zu behandeln. Da wirkt es fast schon wie eine besondere Kunst, solch ein Universum uninteressant werden zu lassen, wie das unter Rick Bermans Ägide zunehmend der Fall war. Vor vier Jahren gelang es J.J. Abrams, wieder breite Zuschauerschichten für diese unendlichen Weiten zu begeistern. Nach dem zweiten Film hatte ich nun trotz guter Unterhaltung wieder das Gefühl vieler ungenutzter Möglichkeiten.



Dabei beginnt der Film ungemein vielversprechend und unterhaltsam. Man sieht die Crew bei der Rettung einer sehr exotischen Welt, bei der sie in Konflikt mit der obersten Direktive der Sternenflotte gerät. Der Vulkanier Spock befindet sich in einem buchstäblichen Vulkan, während Kirk und Pille von erzürnten Aliens verfolgt werden. Die oberste Direktive, die das Nicht-Einmischen in die Angelegenheiten sogenannter Pre-Warp-Zivilisationen vorschreibt, ist eine dieser Möglichkeiten, die Stoff für tiefergehende Stories bieten würde. Wenn man sich vor Augen führt, dass solch ein Einmischen in der Menschheitsgeschichte fast immer verbunden war mit einem Auslöschen, macht so eine Direktive durchaus Sinn. Andererseits könnte man es auch moralisch verwerflich finden, Schwächere einfach ihrem Schicksal zu überlassen. Aber der Film nutzt dieses eingeführte moralische Dilemma im weiteren Verlauf nicht.

Die Einführung des von Benedict Cumberbatch verkörperten Gegenspielers John Harrison ist ebenfalls sehr gelungen. Allerdings wird auch hier ein Konflikt etabliert, der sich später in galaktischen Nebeln verflüchtigt. Der charismatische Cumberbatch, dessen Stern auch nach INTO DARKNESS steigen dürfte, ist schauspielerisch ein echtes Highlight. Harrison greift das Sternenflottenhauptquartier an und flüchtet daraufhin zur klingonischen Heimatwelt Qo'noS. Die Enterprise bekommt den Auftrag, ihn aufzuspüren.

Die Auflösung der wahren Identität des Antagonisten, um die abrams-typisch ein großes Geheimnis gemacht wurde, war dann für mich der erste Tiefpunkt des Films, denn die Macher gehen hier den einfallslosesten und mutlosesten aller Wege. Dazu kommt, dass der Background von Harrison in der veränderten Zeitlinie des Abrams-Universums keinen echten Sinn ergibt und auch kein starkes Motiv liefert. Von da an ist INTO DARKNESS zunehmend nur noch eine mäßig kreative Kopie gewisser älterer Filme - das allerdings, ohne den Impact der Originalszenen zu erreichen.

Dafür, dass Abrams nach eigenen Angaben von den meisten bisherigen Star-Trek-Filmen nicht allzu viel hält, bedient er sich doch reichlich an deren Erfolgsmustern. In diesem Aspekt wirkt INTO DARKNESS ein bisschen wie die STAR-WARS-Prequel, bei denen Lucas ebenfalls versuchte, einen narrativen "Reim" auf die alten Filme herzustellen. Vermutlich spekuliert Abrams darauf, dass die "Nicht-Trekker" sich an diese Filme eh nicht so gut erinnern werden, während er für die Fans ein paar Brocken hinwirft, wie eine Anspielung auf Tribbles oder einen dramaturgisch völlig unnötigen Kurzauftritt von Leonard Nimoy. Vom Sternenflotten-Geheimdienst Sektion 31 hätte man gern noch ein bisschen mehr gesehen und erfahren. Und auch logisch bleibt vieles offen.

Wie Sophie Albers in ihrer Kritik auf stern.de bemerkt, erinnert die Handlung oft etwas an SKYFALL (Der ja selbst wiederum an diverse Nolan-Filme erinnert). Vor allem die Gefangenschaft des Gegners und das Ende. Wahrscheinlich zählen Schurken in langen Mänteln, die sich gern gefangennehmen lassen, um ein bisschen zu posen, ebenso zum Zeitgeist wie fliegende Funken auf den Filmplakaten. Und natürlich müssen männliche Helden am Ende so richtig weinen, weil das ja so anziehend auf weibliche Zuschauer wirkt und die Kassen vielleicht noch ein bisschen mehr klingeln lässt.

In der zweiten Hälfte tritt STAR TREK INTO DARKNESS kreativ auf der Stelle. Und das trotz sehr guter Tricktechnik und durchweg sehenswerter Darsteller. Neben Cumberbatch glänzen auch Peter ROBOCOP Weller und Karl Urban. Auch die restliche Crew macht ihre Sache sehr gut und ist den Originalen wirklich würdig. Vielleicht ist es für Star Trek das Beste, wenn J.J. Abrams jetzt nach der gelungenen Einführung der Charaktere zur "Konkurrenz" wechselt. Für den nächsten Film wäre ein Regisseur zu wünschen, der mehr aus den Charakteren herausholt und aus dem Kosmos Neues hervorbringt, statt Altes aufzutauen.

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