Freitag, 5. Juli 2013

Roger, übernehmen Sie!

Vor 40 Jahren feierte der achte James-Bond-Film LIVE AND LET DIE offiziell Premiere am Londoner Odeon am Leicester Square, nachdem er in den Staaten bereits eine Woche zuvor angelaufen war. Roger Moore hatte zuvor sehr erfolgreich in einigen Fernsehserien mitgewirkt, aber der Sprung vom Fernsehen ins Kino war zu jener Zeit nicht selbstverständlich und gelang weniger Schauspielern als umgekehrt. Zudem fehlten viele Elemente, die Bond berühmt gemacht hatten – vom Smoking und Wodka Martini über Q und weltbedrohende Superschurken bis zur Musik von John Barry. Dazu kam auch noch, dass praktisch alle Schurken des Films Schwarze waren. Wie um Himmels willen sollte das gut gehen?



LIVE AND LET DIE ist einer der wenigen Bondfilme, die von Anfang bis Ende von nur einem Drehbuchautoren verfasst wurde, dem US-Amerikaner Tom Mankiewicz. Mankiewicz, damals Anfang Dreißig, wurde von Cubby Broccoli für DIAMONDS ARE FOREVER engagiert, da der Film zu großen Teilen in Las Vegas spielt und Briten laut Cubby lausige amerikanische Gangster schreiben. Während Mankiewicz hier noch Richard Maibaums Drehbuch überarbeitete, schrieb er LIVE AND LET DIE allein.

Die Produzenten Cubby Broccoli und Harry Saltzman wechselten sich bei den Filmen ab, und bei LIVE AND LET DIE übernahm Saltzman wieder die Hauptverantwortung. Wie Cubby hatte auch Saltzman zahlreiche verrückte Ideen für Bond, von denen sich viele jedoch als nicht realisierbar erwiesen. Ursprünglich war der Film noch einmal für Connery konzipiert, und Saltzman hatte die Idee, dass Connery in seinem Bett aufwacht und statt Solitaire ein Krokodil neben sich in seinem Bett vorfindet. Mankiewicz fragte ihn, wie das Tier mit seinen kurzen Beinen da hinein gekommen sein soll, und warum es Bond noch nicht gefressen habe, wenn er geschlafen hat. Und so schaffte es die Idee nicht in das fertige Drehbuch.

Ein großes Problem sowohl bei der Umsetzung des Romans als auch bei den Dreharbeiten war die Tatsache, dass ein Großteil der Gangster schwarz ist. Im ersten Drehbuch-Entwurf von Mankiewicz war Solitaire schwarz und die Verräterin Rosie Carver weiß. Die attraktive US-Sängerin Diana Ross, die für ihr Filmdebüt LADY SINGS THE BLUES 1972 für den Oscar nominiert war, hatte Interesse an der Rolle, doch letztlich scheiterte das an United Artists. Zum einen befürchtete man, dass Ross Roger Moore überschattete, zumal sie sicher auch den Titelsong gesungen hätte. Vor allem aber hätte der Umstand, dass Bond nicht nur mit einer schwarzen Hauptdarstellerin schlief, sondern sie auch entjungferte, dazu geführt, dass man den Film in mindestens acht Ländern nicht hätte veröffentlichen können. Darunter Japan, Südafrika sowie einige Länder des mittleren Ostens.

Und so wurde Solitaire mit der sehr jungen Jane Seymour besetzt. Die Rolle des Mr. Big übernahm Yaphett Kotto, der 1972 im Blaxploitation-Drama ACROSS 110TH STREET neben Anthony Quinn spielte und Kritikerlob erhielt. Die Rolle des Südstaatensheriffs Pepper war eine Überzeichnung von realen hiesigen Sheriffs, allerdings keine besonders starke. Während der Dreharbeiten nahe New Orleans riet ein Sheriff der Crew, möglichst keine Schwarzen als Fahrer zu beschäftigen, um bei der Bevölkerung nicht negativ aufzufallen. Cubby wies daraufhin schwarze Fahrer für jedes einzelne Fahrzeug an – Eine von vielen Begebenheiten, die seine menschliche Größe zeigen.

Der Drahtseilakt funktionierte. Die Film kam bei der schwarzen Bevölkerung sehr gut an. Vincent Canby schrieb in der New York Times: „Wie hat Mankiewicz dieses Drehbuch geschrieben, mit all den Dingen, die es rassenbezogen in diesem Land gibt? Alle Schurken sind schwarz, und alle Helden sind weiß; aber es funktioniert bei ihm.“

Der Titelsong von Paul und Linda McCartney erreichte Platz 2 der Billboard-Charts und wurde als erster Bondsong für einen Oscar nominiert, und das, obwohl Cubby den Song für Müll hielt und nicht verwenden wollte. (Was er wohl zu Another Way to Die gesagt hätte...) An der Kinokasse erwies sich LIVE AND LET DIE als Erfolg, erreichte jedoch nicht ganz die Einnahmen der Sechziger-Jahre-Bondfilme.

Kommentare:

  1. Ich denke, dass die schwarzen Schurken funktioniert haben, weil sie, nach bewährter Bondart, schillernder als der Held und gar nicht mal so unsympathisch gezeichnet sind. Wer liebt denn nicht Tee Hee, Whisper oder Baron Samedi? Kontroversen gab es aber trotzdem.

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  2. Ja, ich glaube man überschätzt das auch manchmal. Bei FYEO hatte man ja auch Bedenken, weil Blofeld am Anfang im Rollstuhl sitzt. Die entsprechenden Behindertenverbände fandens aber dann auch ganz cool.

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