Donnerstag, 21. November 2013

Neue Welt, alte Feinde?

Gedanken zu einer möglichen Rückkehr von Ernst Stavro Blofeld

In den letzten Tagen meldeten verschiedene Medien, dass der langjährige Rechtsstreit zwischen MGM, der Bondproduktionsfirma Danjaq und Kevin McClory und seinen Erben um die Rechte an THUNDERBALL und dessen Figuren endgültig beigelegt wurde. (Siehe beispielsweise BBC News oder Filmstarts. Näheres zum Rechtsstreit auch hier) Damit wäre nun endgültig der Weg frei für eine erneute filmische Nutzung der Figur. Doch wäre eine Neuinterpretation wirklich eine gute Idee?

Nachfolgend möchte ich die Für und Wider eines Benutzens von Blofeld in der heutigen Zeit aus meiner Sicht erörtern.




Als Hauptgegner tauchte Blofeld zuletzt vor 42 Jahren in DIAMONDS ARE FOREVER auf. Zehn Jahre später trat noch einmal ein Mann mit Glatze und Katze auf und starb in einem Schornstein, in FOR YOUR EYES ONLY, abgesehen von dem Blofeld im Konkurrenzprodukt NEVER SAY NEVER AGAIN, 1983. Angedacht war ursprünglich auch ein Auftritt von Blofeld in THE SPY WHO LOVED ME und OCTOPUSSY, in denen er jeweils von einem Team jüngerer Schurken erledigt werden sollte. Das wurde von dem Rechtsstreit ebenso verhindert wie eine freiere Verwendung Blofelds durch McClory in einem geplanten Warhead-Film. Insgesamt trat Blofeld inklusive der Konkurrenzfilme sieben Mal auf. Aber vielleicht hat er ja wie sein Haustier neun Leben?

Dafür:

SKYFALL hat einen neuen Rekord aufgestellt und ist der 'Billion-Dollar-Bond'. Einen nicht unmaßgeblichen Anteil hatte daran sicher das mediale Echo des fünfzigjährigen Bondjubiläums. Es wird schwer sein, das zu toppen, und Mendes und die Produzenten überlegen sicher auch, wie man daran anschließen könnte. Blofeld ist immer noch einer der ikonischsten Bondschurken, und in Umfragen nach den besten Gegenspielern belegt er regelmäßig den ersten Platz, noch vor Goldfinger. (Siehe beispielsweise hier oder hier)

Dementsprechend groß wäre auch das Medienecho, falls er wieder auftreten sollte. Zumal die Yellow Press eh bei jedem neuen Bondfilm über seine Rückkehr spekuliert. Zuletzt wurde ja beispielsweise Michael Sheen gerüchteweise mit der Rolle in Verbindung gebracht. Die Fragen, wer ihn spielt, wie er angelegt sein wird, etc. wären ein gefundenes Fressen und würden Bond 24 eine enorme zusätzliche Publicity bringen.

Der Reiz der Craig-Ära lag bisher auch zu einem großen Teil in der kreativen Neu-Erfindung des hinreichend Bekannten. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, wie Hermann Hesse schon so treffend formulierte. Mit dem Ende von SKYFALL ist die Neudefinition des Agenten jetzt allerdings feierlich abgeschlossen. Man kann Bond nun nicht noch einmal künstlich zurückwerfen. Man könnte allerdings den Zauber des Anfangs vom Helden auf den Gegenspieler übertragen, und zeigen wie aus einem Herrn Blofeld ein ebenso brillanter wie gefährlicher Menschheitsfeind wird.

Es ist grundsätzlich nicht unmöglich, Blofeld gelungen in die heutige Zeit zu übertragen, es ist eher eine große kreative Herausforderung. Mit der man allerdings auch im großen Stil scheitern könnte.

Dagegen:

Sein großer Vorteil ist gleichzeitig auch sein großer Nachteil: Das ikonische, plakative. Mao-Anzug, Perserkatze, Glatze, autoritäres Gehabe, etc. Mike Myers und andere haben das bereits brillant komödiantisch ausgebeutet. Und eigentlich waren bereits Blofelds Auftritte in YOU ONLY LIVE TWICE und vor allem in DIAMONDS ARE FOREVER nahe an der Parodie.

Will man in dieser Richtung unfreiwillige Komik vermeiden, gibt es nur zwei Wege: Zurück zum Blofeld der Romane, oder eine komplette Neuerfindung, die sich sowohl von den Filmen als auch von den Romanen unterscheidet.

Der Roman-Blofeld gehört allerdings nicht zu Flemings brillantesten Schöpfungen. Die reine Vermehrung von Reichtum ist von allen Schurken-Motiven eigentlich immer das langweiligste. Bei Goldfinger war sie mit einer fast sexuellen Liebe für Gold verbunden, und wurde dadurch interessant. Blofeld dagegen will tatsächlich nur abstauben, ohne besondere Leidenschaften für Technik, Luxus, Chaos oder sonstiges. Ihm fehlt eine glaubhafte private Seite, was einen dankbaren Aufhänger für Parodien lieferte - indem man eben das banale Privatleben dieses Superschurken zeigte.

In Im Geheimdienst Ihrer Majestät gibt Fleming ihm immerhin eine gewisse Eitelkeit, und in Man lebt nur zweimal schließlich rein destruktiven Wahnsinn, was eigentlich am interessantesten ist. Der makabre Erfindungsreichtum erinnert hier ein bisschen an den literarischen Fantómas. Sehr gut auch die finale Diskussion zwischen Bond und Blofeld, in der Blofeld erklärt, dass seine Taten immer auch etwas Gutes bewirkten. Seine nukleare Erpressung beispielsweise Abrüstungsgespräche, etc. Das wäre ein interessanter Ansatz für eine filmische Neu-Interpretation.

Aber prinzipiell fehlt dem Charakter Blofeld etwas das Einmalige und Besondere. Vielleicht war das auch der Grund, warum man ihm so markante äußerliche Markenzeichen verpassen musste. Für das Phantomhafte, Ungreifbare ist er durch seine Organisation zu gebunden. Andererseits ist er auch nicht überdurchschnittlich wahnsinnig oder genial. Und damit stellt sich die Frage: Für was steht er, wofür ist er eine gute Metapher? Der Joker im Batman-Universum ist beispielsweise eine geniale Verkörperung der irrationalen und wahnsinnigen Seite des Bösen, Khan bei Star Trek die der überlegenen Stärke.

Bei Blofeld wäre es vielleicht am ehesten die Rolle des lachenden Dritten, von unabhängiger Macht ohne nationale oder ideologische Bindung. Das hat allerdings auch schon die Organisation Quantum in CASINO ROYALE und QUANTUM OF SOLACE mit Mr. White als Vertreter hervorragend verkörpert. Letztendlich fehlt also ein bisschen die Reibungsfläche, die ein Blofeld in der heutigen Zeit erzeugen müsste.

Und wie es scheint, haben die Produzenten keine großen Ambitionen und Ideen, Quantum als Gegner weiterzuführen. Würden sie sich da wirklich ein noch größeres Ei legen und SPECTRE wiederbeleben? Das bezweifle ich eher. Im Endeffekt sehe ich die Chancen für eine Rückkehr dieses Charakters daher eher als gering.

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