Montag, 14. September 2015

Brücke mit Aussicht

A Vertigo View To A Voyage Home
Den 13. Bondfilm A VIEW TO A KILL, der in diesem Jahr 30 Jahre alt wird, trifft oft der Vorwurf, die Bondformel nur unbefriedigend variiert und Versatzstücke aus früheren Bondfilmen und anderen Werken der Filmgeschichte benutzt zu haben. Die Idee eines Action-Finales auf der Golden-Gate-Bridge war dagegen - ähnlich wie das Rücken-an-Rücken-Plakatmotiv - eine Idee, die seither oft kopiert wurde. Mittlerweile ist die vielleicht berühmteste Brücke in jedem zweiten Sommer-Blockbuster zu sehen, wie in diesem Jahr TERMINATOR: GENISYS, SAN ANDREAS, PIXELS oder ANT-MAN.



Während das Wahrzeichen von San Francisco in der Realität leider Menschen anzieht, die ihrem Leben ein Ende setzen wollen, zieht es im Film Monster und Katastrophen aller Art an, die der Brücke selbst ein Ende setzen wollen. Angefangen hat alles 1955 mit IT CAME FROM BENEATH THE SEA (Das Grauen aus der Tiefe), wo ein Riesenkrake die Brücke zerquetscht.

Altmeister Hitch und ...
Kim während der Dreharbeiten zu VERTIGO
1958 setzte Sir Alfred Hitchcock dem Wahrzeichen ein filmisches Denkmal, mit seinem Thriller VERTIGO. Hitchcock spielt in diesem Film mit der morbiden suizidalen Faszination dieses Bauwerks, indem er seine Heldin Kim Novak hier in das kalte Wasser des Nordpazifiks springen lässt. Allerdings nicht von der Brücke, sondern von Fort Point. (Mehr zu VERTIGO und den Einfluss auf den Bondfilm ON HER MAJESTY´S SECRET SERVICE hier.)

Der flotte Käfer HERBIE fuhr 1974 die Kabel entlang. In SUPERMAN von 1978 bröckelt das Bauwerk aufgrund eines von Lex Luthor initiierten Erdbebens. In A VIEW TO A KILL war die Golden-Gate-Brücke 1985 schließlich Schauplatz eines atemberaubenden Finales in bester Hitchcock-Manier. Paradoxerweise war es damit eine britische Produktion, die dieses ur-amerikanische Symbol erstmals als Action-Schauplatz spektakulär in Szene setzte.

Das ließ sich Hollywood nicht zweimal zeigen, und so häuften sich Actionszenen auf und an der Brücke. In STAR TREK - THE VOYAGE HOME (1986) (Star Trek IV - Zurück in die Gegenwart) streift die Enterprise-Crew bei ihrer Heimreise die Brücke fast mit einem gekaperten Klingonenschiff. Und der FLIGHT OF THE NAVIGATOR geht auch daran vorbei. James Cameron hatte 1989 in THE ABYSS wenigstens noch so viel Respekt, einen Tsunami nur auf die Brücke zu rollen zu lassen, diesen aber dann doch noch zu stoppen.

1996 sah man sie in THE ROCK mit Sean Connery. 2003 wurde der HULK à la King Kong auf der Spitze eines Brückenpfeilers beschossen, und die Brücke schmolz unter extremer UV-Strahlung in THE CORE. Drei Jahre später wurde sie nicht einfach nur zerstört, sondern gleich mal aus den Angeln gehoben und sinnloserweise ein paar Meter weiter transportiert - im Finale von X-MEN: THE LAST STAND.

Auch im 2011er RISE OF THE PLANET OF THE APES war die Brücke Schauplatz des Finales, in dem intelligente Affen an den Tauen und der Unterkonstruktion herumkletterten. Im Sequel DAWN OF THE PLANET OF THE APES ist die Brücke dann wie der Rest des Planeten auch zerstört. Auch in anderen Dystopien wie THE BOOK OF ELI und TERMINATOR SALVATION überqueren die Endzeithelden ihre Ruine.

Zerbröselt wird sie in THE DAY THE EARTH STOOD STILL (2008), angebissen in MEGASHARK VS. GIANT OCTOPUS, von Meteoriten zerhämmert in METEOR STORM. Spektakulär kaputt geht sie auch durch riesige Monster 2013 in PACIFIC RIM und 2014 in GODZILLA. Schon seltsam, wenn ein architektonisches Meisterwerk Zerstörungsphantasien der bizarrsten Art hervorruft.

Matte Painting in STAR TREK
Aber man sah sie auch schon in ferner Zukunft unzerstört, wie etwa in BICENTENNIAL MAN (um 2200 herum), Futurama (gegen 3000) sowie in vielen Folgen und Filmen von STAR TREK, wo San Francisco das Hauptquartier der Sternenflotte beherbergt. Als J.J. Abrams das Kommando übernahm, fiel ihm allerdings auch nicht viel mehr ein als 'destruction porn', und so wird die Brücke in STAR TREK von einem riesigen Bohrer bedroht, und in STAR TREK INTO DARKNESS von einem abstürzenden Raumschiff. (Aber man munkelt, dass das Finale des neuesten Star-Trek-Films tatsächlich im Weltraum stattfinden soll. Wobei man fairerweise sagen muss, dass die Brücke auch schon vorher im ST-Unversum zerstört wurde, und zwar während des Dominion-Krieges in Deep Space Nine.) Wirklich sicher wird sie also nie sein - zumindest im Film.

Auch in diesem Kino-Sommer ist die gute alte Golden-Gate-Bridge omnipräsent - und sei es nur auf Postern oder in diversen Effekt-Shots.





Die Golden-Gate-Brücke wird immer mehr zu einer Art 'Arschgeweih', mit dem nach Schema F zusammengeschusterte Filmposter versuchen, sich optisch aufzuwerten.



Wie liebevoll und gelungen waren dagegen Arbeiten wie die von Dan Goozee, 1985!



Hier ein Zusammenschnitt aller destruktiven Energie, die sich an der Brücke entlud:





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Golden Gate Bridge in Popular Culture

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