Montag, 4. Juni 2018

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Bond-Marathon #000: CLIMAX! - CASINO ROYALE (1954)

In einigen Franchises gibt es Versuche einer Erstverfilmung, die heute eher als Kuriosität gelten. Bei STAR TREK wäre das der erste Pilotfilm Der Käfig (1965), bei LORD OF THE RINGS die Zeichentrick-Verfilmung von 1978. Bei James Bond ist es die TV-Adaption von Casino Royale aus dem Jahr 1954. Während bei Der Käfig aber beispielsweise die Effekte und das Drehbuch hochwertiger sind als die der meisten späteren Serienfolgen, lässt sich bei Casino Royale das Potential der späteren Filmen nur erahnen.

Man könnte sich sogar darüber streiten, ob die Adaption überhaupt als James-Bond-Film bezeichnet werden kann, da es sich nur eine Fernseh-Aufzeichnung handelt, und James hier nur Jimmy genannt wird. Aber trotz aller offensichtlicher Mängel würde man Casino Royale damit Unrecht tun, denn er hat auch einige überraschende Pluspunkte.




Barry Nelson 1962 (wikipedia)
Zu den offensichtlichen Defiziten zählt hier wohl der Hauptdarsteller Barry Nelson, der als Bond nicht so ganz überzeugen kann. Es ist natürlich unfair, ihn an den späteren Filmen zu messen, aber auch im Vergleich zum Roman-Bond wirkt er ziemlich blass und deplaziert. Dazu kommen noch die Amerikanisierung der Figur und nicht zuletzt ein lächerlich unpassendes Jackett, das wahrscheinlich irgendjemand sehr kurzfristig aus dem Fundus organisiert hat.

Der amerikanische Schauspieler Barry Nelson, eigentlich Robert Haakon Nielsen, spielte seine erste Hauptrolle in dem Film Noir THE MAN WITH MY FACE. Auch sein Bond ist noch sehr dem typischen Protagonisten der Schwarzen Serie verbunden. Der Held dort war ein tragischer und getriebener; einer, der nie wirklich die Kontrolle über sein Schicksal gewinnt. In Casino Royale wirkt Bond auch eher als Gespielter im großen 'Spiel der Könige', denn als Spieler. Seine Vertrauten Clarence Leiter (ein anglisierter Felix Leiter) und Valerie Mathis (eine Mischung aus Vesper Lynd und René Mathis) erscheinen professioneller, wissender und letztlich auch eleganter als er. Zwischen dieser Darstellung und dem später von Sean Connery verkörperten Männerbild liegen nicht nur Welten, sondern ganze Universen.

Linda Christian 1948 (wikipedia)
Neben Barry Nelson, der stark gekürzten und amerikanisierten TV-Fassung der Geschichte ist auch die Inszenierung eher schlicht und aus heutiger Sicht wenig überzeugend. Casino Royale war die dritte Episode der Anthologie-Serie Climax Mystery Theater von CBS. Zahlreiche Stars hatten Gastauftritte in der Serie. Neben Steve McQueen, Charlton Heston oder Boris Karloff war auch der spätere Bondschurke Louis Jourdan dabei.

Zu den Highlights des Fernsehfilms gehört dagegen neben dem ersten 'Bondgirl' Linda Christian, die schon fast traditionell sexy und selbstbewusst auftritt, vor allem Peter Lorre als namenloser Schurke, der nur als Le Chiffre bekannt ist. Lange vor Lotte Lenya und Gert Fröbe gab Peter Lorre den verschlagenen Bondgegenspieler deutschsprachiger Herkunft. Es wäre schön gewesen, ihn in der späteren EON-Serie noch einmal zu sehen.

Lorre im Film Noir QUICKSAND (1950) (wikipedia)

Lorre mit Lotte Lenya auf der Bühne
Peter Lorre, der eigentlich László Loewenstein hieß und in Fritz Langs M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER eine der genialsten Schauspielleistungen der Filmgeschichte ablieferte - hatte in dem Punkt etwas Pech. Der Bondbösewicht, den niemand kennt. Ebenso wenig Glück hatte er übrigens auch mit seiner einzigen Regie-Arbeit, dem in Deutschland gedrehten Film Noir DER VERLORENE. Das deutsche Publikum nahm Lorre seine Flucht und spätere Rückkehr übel, vor allem in einem Film über die moralischen Abgründe des 3. Reiches, und beachtete den Film kaum. Und so geriet dieser sehenswerte deutsche Noir-Beitrag ebenso wie sein Auftritt als Bondgegenspieler in Vergessenheit. Dabei haben beide Charaktere sogar die Gemeinsamkeit, dass es sich um 'Displaced Persons' handelt, bei denen der Verlust der Heimat auch den des moralischen Kompasses bedeutet.

Ian Fleming war von der Adaption seines ersten Bondromans dann auch eher ernüchtert. Mit einer Amerikanisierung der Handlung musste er auch bei der US-Ausgabe des Romans vorlieb nehmen, die dann in typischer Pulp-Manier You Asked For It genannt wurde. Auch hier wurde aus James ein Jimmy.

Der positivste Aspekt der TV-Version war für ihn wohl auch die Performance von Peter Lorre - zeigte er hier doch seinen Respekt in der für ihn typischen Art: Mit einer Verewigung in einem seiner Romane. Im Roman Moonraker von 1955 heißt es über Krebs, den Henchman von Sir Hugo Drax, dass er aussehe wie eine jugendliche Version von Peter Lorre.

Von dem Verkauf der Rechte an CBS für 1000 $ kaufte sich Fleming dann seinen ersten amerikanischen Wagen - einen Studillac, dessen Motorleistung ihn so begeisterte, dass er von der Polizei angehalten wurde. This never happened to the other feller. Den Studillac baute Fleming dann auch sogleich in Diamonds Are Forever ein, als das Auto der Wahl von Felix Leiter.

Studebaker Commander Starliner 1953 (wikipedia)

Der Deal mit CBS und Gregory Ratoff für die Rechte an Casino Royale sollte - wie auch der spätere mit Kevin McClory - noch einen langen Schatten auf das Franchise werfen. Der Verkauf der Filmrechte für 1000 US-Dollar, später sogar unbefristet für 6000 - war für Fleming nicht gerade lukrativ. Auf die TV-Version, die weit hinter den Möglichkeiten des Stoffes zurückblieb, folgte 1967 eine extrem überdrehte Parodie, die man fast als filmisches Attentat auf das Franchise sehen kann. Man kann wohl fast froh sein, dass Fleming diese Version nicht mehr miterleben musste.

Zum Glück gingen die Filmrechte an Flemings Debüt letztlich in die verantwortungsvollen Hände von EON, die daraus 2006 einen grandiosen Neustart der Reihe zauberten.

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