Mittwoch, 31. Oktober 2018

Bonds Merchandising-Dilemma

Häufig ertappe ich mich dabei, in Elektronik- und Supermärkten, Gamerläden oder auch Spielwarengeschäften nach Film-Merchandising-Artikeln zu suchen. Zu Bond findet man dabei fast nie etwas. Selbst für DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL, einer 45 Jahre alten Defa-Produktion, gibt es in Richtung Weihnachtszeit mehr Artikel als welche mit einem wie auch immer gearteten 007-Bezug. In der Konsumwelt findet James Bond praktisch nicht statt, mit der einzigen Ausnahmen von Parfüms.

Blogbuster veröffentlichte hier eine Infografik zu den verschiedenen Einnahmequellen des Star-Wars-Franchise. Neben Computerspielen - die in letzter Zeit bei Bond auch in extremer Weise vernachlässigt werden - machen Spielzeuge mit Abstand den Löwenanteil aus. Bond hätte auf diesem Sektor auch ein enormes Potential, das man ebenso brachliegen lässt wie die Spiele.




Nun könnte man natürlich einwenden, dass der letzte Bondfilm Jahre her ist und der nächste noch Jahre hin, was auch auf die immer größer werdende Behäbigkeit und Unbeweglichkeit der Produzenten zurückzuführen ist. Andererseits lagen auch viele Jahre zwischen der alten Star-Wars-Trilogie und Lucas' Neubelebung Ende der 1990er, und trotzdem wurde das Merchandising in dieser Zeit konstant gepflegt und aufrecht erhalten.

Wenn es bei Bond neue Artikel gibt, richten sie sich vorrangig an Menschen weit jenseits der Pubertät. Selbst wenn es Spielzeug ist, wie der Aston Martin von Lego. Gerade auf dem Spielzeug-Sektor war Bond aber lange Zeit führend und innovativ. Ich bin der Überzeugung, dass man da auch heute noch wesentlich mehr erreichen würde, wenn man sich nur Mühe geben würde.

Aber hier zeigt sich auch ein internes Dilemma des Bond-Franchises. Bei Star Wars ist die Attraktivität für Kinder - vor allem Jungen - praktisch Teil der DNA. Auch ernstere und düstere Beiträge haben da noch genügend Verspieltheit. Bei Bond hat das Verspielte dagegen immer etwas Anrüchiges und Minderwertiges. Und das, obwohl bei den meisten Fans selbst die Faszination im Kindes- und Jugendalter begann.

Bondfilme mit einer Attraktivität auch für Kinder und Jugendliche sind selten geworden. Und wenn man sich doch mal wieder in diese Richtung wagt - wie mit DIE ANOTHER DAY oder SPECTRE - lässt sich merchandising-technisch eher weniger daraus machen. Was man dabei aus den Augen verliert, ist eine neue Generation von Fans. In den 1990ern generierte sich beispielsweise eine ganze Generation von Fans durch GOLDENEYE und vor allem das entsprechende, legendäre Computerspiel. Die Craigfilme bedienen dagegen nur noch Erwachsene mittleren Alters. EON konzentriert sich auf das Bewahren der Asche, statt auf das Weitergeben des Feuers.

Merchandising kann clever sein und muss nicht nerven - wie es leider im Fall von Star Wars mittlerweile der Fall ist, wo man von Toilettenpapier bis zu Fußpilzsalbe praktisch mit dem Thema erschlagen wird. Wenn man wenigstens mal ein paar Hot-Wheels-Autos sehen würde, wie es sie zu Batman, FAST AND THE FURIOUS etc. pp. gibt.

Wie seht ihr das? Könnte man da mehr machen, oder reicht wie üblich alle vier bis sechs Jahre ein Film, zu dem es dann ein paar Heineken-Büchsen und Rasierer gibt? Ich bin gespannt!

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