Freitag, 22. Februar 2019

Soundtrack-Kritik: THE WORLD IS NOT ENOUGH

2019 begann mit einem dezenten 1999-Feeling. La-La Land Records schickte die Limited Edition der Filmmusik zu THE WORLD IS NOT ENOUGH. Ein 2-CD-Set mit einem sehr schön und informativ gestalteten Booklet, das Hintergründe zu Musik und Komponist liefert.

David Arnolds Musik für den 19. James-Bond-Film der Produktionsfirma EON war seine zweite Arbeit für Bond. Die auf 5000 Stück limitierte Sonderausgabe enthält einige sehr interessante Titel und auch Demoversionen, die vorher nicht veröffentlicht wurden.




Auf der ersten CD und der ersten Hälfte der Zweiten findet sich ein Großteil der Filmmusik in chronologischer Reihenfolge. Auf der zweiten Hälfte der zweiten CD sind dann alternative Versionen sowie Demoversionen der beiden Songs The World Is Not Enough und Only Myself To Blame, gesungen von David Arnold selbst.

Nach der mit Wucht in den Sand gesetzten Musik von GOLDENEYE war die Wahl von David Arnold, der sich bis dato vor allem mit der Musik für die beiden Roland-Emmerich-Blockbuster STARGATE und INDEPENDENCE DAY einen Namen gemacht hatte, für mich eine enormer Sprung nach vorn. Eric Serras Bemühungen hatten in keinster Weise das Feierliche der historischen Rückkehr von 007 transportiert, und lassen den Film teilweise künstlich und bemüht wirken. David Arnold holte mit seiner Musik für TOMORROW NEVER DIES dann alles nach, was Serra verschenkt hatte.

Mit seiner erneuten Verpflichtung für den dritten Brosnan-Bond konnte ich dementsprechend sehr gut leben. Der Soundtrack hat sehr gelungene Momente, die in der erweiterten Fassung noch besser zur Geltung kommen. Darunter vor allem die Untermalung der Bootsjagd in der Vortitelsequenz, bei der auch die elektronischen Elemente stimmen. Die Musik hat hier ein elektrisierendes Tempo, und setzt das Bondthema an einer sehr cleveren Stelle ein: Als Bond Kurs auf den Millennium Dome nimmt - und damit sinnbildlich auf das neue Jahrtausend. Neu ist Musik am Anfang sowie am Ende der Vortitelsequenz, Bond has left the Building und Balloon. Sehr schön auch im Finale die Szene, wenn Bond außen am U-Boot entlang taucht. Diese hymnen-artigen, das Franchise feiernden Momente fehlen bei Serra leider komplett, und ich schätze diese auch heute noch sehr.

David Arnold führt hier viele gute Aspekte seiner ersten Bondmusik fort. Ein klassischer Titelsong, schön und dezent in den Score eingewoben, ein großes Orchester und Bezüge zu den jeweiligen Lokalitäten. Für die türkischen und allgemein asiatischen Sequenzen verwendet Arnold hier ein Kanun, die "orientalische Zither", und Sängerin Natacha Atlas, mit der er auch Coverversionen von You Only Live Twice und From Russia With Love aufnahm. Diese orientalischen Anklänge sind in Welcome to Kazakhstan sowie in der Filmversion von Welcome to Baku noch einmal schön zu hören.

Um die Musik moderner zu gestalten, griff David Arnold auf elektronische Elemente zurück. Ein Trend, den er im finalen Brosnan DIE ANOTHER DAY noch einmal steigerte. An vielen Stellen ist das für mich durchaus passend, wie etwa in Access Denied oder auch Ice Bandits, das seinerzeit bereits auf der Single des Titelsongs enthalten war. Action-bezogen mag ich auch Pipeline sehr, mit seiner stetig anschwellendem, uhrwerk-artigen Melodie.

Etwas nervig finde ich dagegen diese Art verzerrtes Grummeln, das David Arnold schon in Surrender eingebaut hatte. Zu den Stücken, die mir weniger gefallen, zählt auch Caviar Factory. Im Gesamtblick überwiegen aber auch auf der erweiterten Fassung mit den noch nicht gehörten Stücken die großartigen Momente.

Ähnlich wie schon bei TOMORROW NEVER DIES schlägt Arnold auch melancholische Töne an, was er schließlich in CASINO ROYALE noch einmal zur Perfektion bringen sollte. Vorbild hierfür ist sicher John Barrys Arbeit für ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE. Hier vor allem in Form des Songs Only Myself To Blame von Scott Walker, der die eher selbstreflektiven, sich mit der dunklen Seite des Agentendaseins beschäftigenden Songs wie You Know My Name oder später Writings On The Wall vorwegnimmt.

Gleich beim ersten Anhören hat sich ein klarer Favorit unter den bisher unveröffentlichten Tracks herauskristallisiert: Snow Business. Es ist einmal in der Film- und einmal als alternative Version zu hören. Eine gelungene Hommage an John Barry, die dem Meister tatsächlich sehr nahe kommt. Ein Waldhorn und Streicher untermalen Bonds und Elektras kurzes Intermezzo im Schnee. Leider ist der Track nicht sehr lang, genau wie die entsprechende Szene im Film.

Beim Hören kam mir unweigerlich der Gedanke, wie es den Film verändern würde, hätten James und Elektra mehr Zeit miteinander verbracht. Sowohl in ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE als auch in CASINO ROYALE gibt es längere Montagen von den glücklichen Tagen der jeweiligen Paare. Diese Montagen erscheinen für viele Menschen leider kitschig, aber ich halte sie vor allem in Verbindung mit der Musik für sehr wichtig, um einen positiven Gegenpol zum tragischen Ende zu liefern. Ich glaube, THE WORLD IS NOT ENOUGH. wäre ein besserer Film, hätte man beim Verhältnis von Bond zu Elektra King mehr Mut und Konsequenz gezeigt, und vielleicht sogar den Charakter der Atomphysikerin weggelassen hätte. Die Musik macht das hier für mich zumindest bewusst.

Im besten Falle geht Filmmusik eben weit über eine reine Untermalung des Gezeigten hinaus und kreiert eine eigene Gefühlswelt. Oder wie John Barry es ausdrückte, sie brennt mit einem eigenen Feuer. Etwas, das mir bei den jüngsten Bondmusiken beispielweise eher fehlt. Die Veröffentlichung ist insgesamt sehr liebevoll und für echte Fans eine erstrebenswerte Ergänzung ihrer Sammlung, nicht zuletzt auch durch das ausführliche Booklet mit Interview-Auszügen und Hintergrund-Informationen.

Ich bin sehr gespannt auf weitere Limited Edition von Bond-Soundtracks.

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